Zum zweiten Mal dabei
Es war bereits das zweite Jahr in Folge, dass der RSG Gelderland beim ARA Niederrhein Brevet an den Start ging. Als im Januar die Anmeldung öffnete, hatten sich neun Mitfahrerinnen und Mitfahrer eingetragen. Leider machte Peter die Arbeit einen Strich durch die Rechnung, und Bastian musste am Morgen noch schweren Herzens gesundheitsbedingt absagen. Am Ende standen sechs von uns vor dem Clubraum des DJK SW Twisteden, als Micha und Moni die Startnummern ausgaben.
Eckdaten – ARA Brevet Niederrhein
- Veranstaltung: 200 km BRM-Brevet
- Veranstalter: ARA Niederrhein (Michael & Moni)
- Startort: Sportplatz DJK SW, Twisteden (Kevelaer)
- Distanz: ca. 210 km, ca. 550 Hm
- Strecke: Fietsen tussen de Mijnterrils
- ACP-Code: 111 009
Ein Brevet ist kein Rennen – das betonen die Organisatoren des ARA (Audax Randonneurs Allemagne) ausdrücklich. Es geht um das Genießen, die Selbstversorgung und das Ankommen innerhalb eines Zeitlimits. Jeder Finisher ist ein Gewinner. Genau dieser Geist war an diesem Tag spürbar.
210 km Streckenlänge
4 Platten bei drei Fahrern
3 Länder (DE, NL + BE)
Start bei Nieselregen
Start bei Nieselregen
Das Wetter hatte sich nicht sonderlich freundlich angekündigt. Bis um acht Uhr hatte es bei sechs Grad durchgeregnet. Passend zum Startschuss gab es dann aber eine Regenpause. Wir nutzten die Zeit davor für Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen – bei freudig aufgeregter Stimmung im Clubhaus.
Pünktlich um 8 Uhr versammelten sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor dem Clubhaus. Michael kletterte – von seiner Frau Moni abgesichert – auf eine Leiter, hielt eine kurze Ansprache und dann gab es noch einen Stempel in die gelbe Kontrollkarte. Gestartet wurde in Kleingruppen mit jeweils fünf Minuten Abstand.
Faszinierende Gefährte und gute Beine
Beim Blick auf das Starterfeld fiel die bunte Mischung auf: Voll verkleidete Velomobile in aerodynamischer Verkleidung, ein selbst gebautes Hochrad, Liegeräder, Tourenräder und Vintage-Rennräder – das ist das Brevet-Universum. Nicht Geschwindigkeit, sondern Leidenschaft und Ausdauer zählen hier.
Nach dem Start rollte es zunächst gut Richtung Aasen. Wir hielten durchweg rund 30 km/h und hatten die Gruppe vor uns bereits nach weniger als zehn Kilometern eingeholt. Die Velomobile sausten lautlos an uns vorbei – faszinierend, mit welcher Geschwindigkeit diese Gefährte dank ihrer Aerodynamik unterwegs sind.
Plattenserie auf beiden Seiten der Grenze
Keine 20 Kilometer nach dem Start stoppte uns ein erster Platten. Die Gruppe dahinter holte uns wieder ein – ebenso der Einradfahrer. Doch wie im Märchen von Hase und Igel hatten wir beide kurz darauf wieder überholt.
Die Route führte uns durch mehrere niederländische Städte, wo die Radwege einmal mehr beeindruckten. Man wird aber auch schnell angehupt, wenn man aus Versehen auf der Straße statt dem Radweg fährt. Bei Kilometer 90, bereits mit Blick auf die Maas, traf uns der nächste Platten – und dieses Mal wollte der Mantel partout nicht von der Felge. Mit Biegen und Brechen gelang es zumindest, eine Seite zu öffnen. Leider war der neue Schlauch wenige Hundert Meter später schon wieder platt: eingeklemmt. Ein weiterer Schlauch musste her.
„Wir waren eine tolle Sechser-Truppe, die super harmoniert hat – und im Laufe der Tour immer schneller beim Platten reparieren wurde.“
Hagelschauer und Spaghetti Bolognese
Der Kontrollpunkt – das Café La Rosa Blanca an der Maas – wurde zunächst verpasst. Wir kehrten trotzdem ein, genossen Kuchen und Cappuccino mit Blick auf den Fluss. Kaum hatten wir bestellt, begann es draußen zu hageln. Die Entscheidung fiel einstimmig: Spaghetti Bolognese für alle. Kohlenhydrate kann man auf so einer Tour nicht genug zu sich nehmen. Die Pause wurde entsprechend länger als geplant.
Nach dem Essen schien die Sonne, die Regenjacke wanderte in die Trikottasche – und die Strecke hatte noch ein echtes Highlight in petto: eine lange, geschwungene Brücke, die sich durch einen See schlängelte und uns alle beeindruckte. Danach wartete ein kurzer, aber heftiger Anstieg von über 10 % auf uns.
Schaltungsprobleme und Wind von der Seite
Bereits zu Beginn hatte der Garmin eine niedrige Akkuspannung der Di2-Schaltung angezeigt – und jetzt machte die Schaltung genau das, was man sich nicht wünscht: Sie blieb nach dem Anstieg auf dem kleinen Kettenblatt hängen. Zusätzlich waren die zwei kleinsten Ritzel gesperrt, damit die Kette nicht zu quer läuft. Das bedeutete Trittfrequenztraining: Ab 28 km/h waren bereits 100 rpm nötig – und das über 90 Kilometer Rückfahrt.
Micha, der bis dahin viel Führungsarbeit geleistet hatte, versuchte sich etwas in der zweiten Reihe auszuruhen – doch der Wind kam so ungünstig von der Seite, dass auch dort kein Windschatten zu finden war. Die Erschöpfung machte sich langsam breit.
Eine Strecke voller Kontraste
Die Route „Fietsen tussen de Mijnterrils – Radeln zwischen den Halden“ führte uns in südwestlicher Richtung zunächst durch die Niederlande – Maas aufwärts, knapp an Venlo vorbei, durch die Venloer Heide. Bei Niederkrüchten wechselten wir erneut die Grenze und fuhren durch den Nationalpark De Meinweg nach Herkenbosch. Weiter südwestwärts erreichten wir bei Maaseik die niederländisch-belgische Grenze – mitten auf einer Brücke über die Maas. Von dort ging es am Kanal Zuid-Willemsvaart entlang ins Herz der Tour: den Nationalpark Hoge Kempen mit seinen markanten Kohlehalden. Am ehemaligen Bahnhof As schwenkten wir auf den RAVeL-Weg – eine zur Radroute umgebaute alte Bahntrasse – und traten den Rückweg an.
Holprige Heimkehr und warme Gulaschsuppe
Irgendwann wurden die Radwege wieder holpriger – und uns war klar: Wir sind zurück in Deutschland. Über Herongen ging es auf vertrauten Strecken Richtung Geldern und schließlich zurück nach Twisteden.
Dort wartete eine heiße Gulaschsuppe, die das Team um Michael und Moni gezaubert hatte. Besonders schön: Jeder Finisher wurde mit Applaus begrüßt und durfte sich wie ein Sieger fühlen – ganz im Geist des Randonneursports, bei dem jeder Finisher ein Gewinner ist.
Fazit
Wir sechs waren eine tolle Gruppe, die super harmoniert hat. Das ARA Niederrhein Brevet ist eine hervorragend organisierte Veranstaltung, die Radsportler aus ganz verschiedenen Lagern zusammenbringt – vom Velomobil bis zum Vintage-Rennrad. Ein besonderer Hinweis: 2026 feiert der Startort in Twisteden seine 25. Brevet-Saison – ein toller Anlass, wieder dabei zu sein. Wir kommen wieder!
„Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen, und dass man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt.“
– Adolph Freiherr von Knigge
Alle Informationen zu den Brevets am Niederrhein findet ihr auf audax-randonneure.de.
Das nächste Brevet am Niederrhein: Das 400 km Brevet am 9. Mai 2026 – Anmeldungen sind bereits möglich.

