Wer beim RSG Gelderland denkt, Mountainbiken hört am Niederrhein auf, kennt unsere Mountainbike-Gruppe noch nicht.
Für 2026 stand ein ganz besonderes Abenteuer auf dem Programm: der legendäre Stoneman Dolomiti – 120 Kilometer, rund 4.000 Höhenmeter und jede Menge hochalpines Terrain.
Mit dabei waren unser MTB-Guide Jürgen, Micha und Norbert. Während Micha und Norbert bereits den Stoneman in den Ardennen bezwungen hatten und Roland den österreichischen Stoneman kannte, wartete mit den Dolomiten noch einmal eine ganz andere Hausnummer.
Anreise mit rollendem Fahrradladen
Für eine Woche schlugen wir unser Quartier oberhalb von Sexten auf. Schon die Unterkunft war ein Volltreffer: Hoch über dem Tal gelegen, mit einem Panorama, das jeden Morgen die Frage aufwarf, ob man überhaupt noch aufs Fahrrad steigen muss oder einfach den Ausblick genießen sollte.
Da an unserem Anreisetag gleich vier Bundesländer in die Sommerferien starteten, wurde der Wecker kurzerhand auf 3 Uhr morgens gestellt. Das Auto war bis unters Dach beladen – fünf Fahrräder, Gepäck, Werkzeug und vermutlich alles, was man für eine kleine Fahrradwerkstatt benötigt.
Besuch beim Erfinder
Noch bevor das eigentliche Abenteuer begann, stand ein besonderes Treffen an: Roland Stauder, der Erfinder des Stoneman, nahm sich Zeit für uns.
Jürgen war nach seiner Knieoperation noch etwas skeptisch, ob zwei Tage auf dieser Strecke wirklich eine gute Idee seien. Roland zeichnete uns die Etappen auf, gab wertvolle Tipps und empfahl uns etwas, das sich später als echter Geheimtipp herausstellte: Nicht ins Apartment zurückfahren, sondern mit leichtem Gepäck auf einer Berghütte übernachten.
Genau so sollte unser Abenteuer aussehen.
Der erste Tag – schon der Start hatte es in sich
Früh morgens rollten wir entspannt ins Tal. Die Temperaturen waren angenehm, die Stimmung bestens.
Bis … wir bereits nach kurzer Zeit die erste Abbiegung übersahen.
Das Ergebnis: 1,5 Kilometer Umweg und 150 zusätzliche Höhenmeter. Ein gelungener Auftakt, wenn man ohnehin schon 4.000 Höhenmeter vor sich hat.
Mit zunehmender Höhe wurde aus Asphalt Schotter, aus Schotter Geröll und aus Radfahren immer häufiger eine Gleichgewichtsübung. Steigungen von über zehn Prozent auf losem Untergrund verlangten alles ab.
Oben angekommen wartete bereits Micha. Allerdings nicht lange.
Während Jürgen und Norbert lieber den sicheren Weg zurücknahmen, gönnte sich Micha noch einen von Roland empfohlenen S3-Trail – inklusive breitem Grinsen.
Schnitzel statt Sportlernahrung
Zur Mittagszeit trafen wir uns in einer Berghütte wieder.
Die Speisekarte war erfreulich übersichtlich:
- Currywurst
- Schnitzel
Als Beilage gab es Pommes oder Kartoffelsalat.
Nicht unbedingt das, was Sporternährungsexperten unmittelbar vor einem 1.500-Höhenmeter-Anstieg empfehlen würden.
Dafür schmeckte das alkoholfreie Schneider Weizen hervorragend. Genauer gesagt: Die ersten beiden verschwanden so schnell, dass sie vermutlich schon beim Trinken verdunsteten.
„Da fährt doch keiner hoch!“
Dann begann der berühmte Anstieg zur Sillianer Hütte.
12 Kilometer.
1.500 Höhenmeter.
Pralle Sonne.
Schon nach kurzer Zeit wurde klar: Heute gewinnt nicht der Schnellste, sondern der Geduldigste.
Der Hüttenwirt schaute uns ungläubig an, als wir nach dem Weg fragten.
„Da wollt ihr wirklich mit den Mountainbikes hoch? Da gehe ich ja nicht einmal zu Fuß hoch!“
Vielen Dank für die Motivation.
Am Ende schoben wir unsere Räder fast fünf Stunden bergauf. Ehrlich gesagt war Schieben kaum langsamer als Fahren.
Hüttenromantik auf über 2.400 Metern
Als endlich die Sillianer Hütte auftauchte, war die Freude riesig.
Dank Micha war das Abendessen bereits organisiert.
Nach einer wohlverdienten Dusche warteten Käsespätzle, eine riesige Brotzeitplatte und – natürlich – Weizenbier.
Jürgen hatte über den Tag derart viel Flüssigkeit verloren, dass er beschloss, den Speicher mit gleich mehreren Weizen wieder aufzufüllen.
Punkt 22 Uhr kehrte auf der Hütte Ruhe ein.
Und ehrlich gesagt: Selten waren wir so froh, in einem einfachen Vierbettzimmer schlafen zu dürfen.
Tag zwei – die Demutspassage
Der zweite Tag begann mit dem Abschnitt, vor dem Roland uns besonders gewarnt hatte.
Schmale Pfade.
Steile Felspassagen.
Schieben.
Tragen.
Klettern.
Immer wieder begegneten uns Wanderer, die ungläubig zusahen, wie drei Mountainbiker samt Fahrrädern den Berg hinaufkraxelten.
Doch die Mühe wurde belohnt.
Unterwegs begegneten wir einer ganzen Lama-Herde, wenig später mehreren Murmeltieren, die sich erstaunlich gelassen fotografieren ließen.
Lediglich Micha bekam kurz einen Schreck, als er bemerkte, dass sein Handy verschwunden war.
Zum Glück lag es noch auf dem Trail und wartete geduldig auf seinen Besitzer.
Gewitter zum Finale
Nach der vierten Stempelstelle fehlte nur noch ein letzter Anstieg.
Dieses Mal wollten Micha und Norbert ihn komplett fahren.
Währenddessen zogen jedoch dunkle Wolken auf.
Nur wenige Kilometer vor dem letzten Gipfel öffnete der Himmel sämtliche Schleusen.
Regenjacke an.
Brille voller Wasser.
Rutschige Steine.
Null Sicht.
Aufgeben?
Keine Chance.
Wer bis hierher gekommen ist, fährt auch die letzten Kilometer.
Durchnässt, aber glücklich erreichten wir schließlich die letzte Stempelstelle und rollten zurück nach Sexten.
Ein Abenteuer, das bleibt
Der Stoneman Dolomiti ist weit mehr als eine Mountainbike-Tour.
Er ist eine Mischung aus sportlicher Herausforderung, grandioser Natur, Teamgeist und unvergesslichen Erlebnissen.
Ob Lamas, Murmeltiere, fünf Stunden Radschieben, alkoholfreies Weizen oder ein Gewitter auf den letzten Kilometern – genau diese Momente machen den Stoneman aus.
Unser Fazit?
Jeder Schweißtropfen hat sich gelohnt.
Und eines steht fest:
Der nächste Stoneman kommt bestimmt.

