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Zwischen Rhein und Industriekultur Besi & Friends Pfingsten 2025 On Tour

Radfahren und wegschwimmen – Nennt man das dann Duathlon?

Wie die Veranstaltung „Zwischen Rhein und Industriekultur – Pfingsten 2025 mit Besi & Friends On Tour“ zum Multisport-Event wurde.

Bis ins kleinste Detail hatten wir geplant – nur das Wetter nicht. Pfingsten bedeutet doch eigentlich Sonnenschein, oder? Nachdem der Mai kaum Regen gebracht hatte, traf uns ausgerechnet an den beiden wichtigsten Tagen ein Wetter, mit dem niemand gerechnet hatte. Vergeblich durchsuchten wir noch am Freitag das komplette Internet und fragten sogar ChatGPT nach der Telefonnummer von Petrus – erfolglos.
Doch am Freitag hatten wir noch Glück: Es blieb trocken und sogar die Sonne zeigte sich am Himmel. Geplant war ursprünglich eine lockere 32 km Rennrad-Einführungsrunde, um sich warmzufahren und das Gruppenfahren zu üben. Als Anja spontan mit ihrem Trike und ihr Freund mit dem MTB dazustießen, passten wir das Tempo entsprechend an und fuhren gemeinsam.

Im Ruhrgebiet – einer Metropole mit fast zehn Millionen Menschen – viele spannende Orte zu entdecken und dabei rennradtauglich unterwegs zu sein, ist definitiv eine Herausforderung. Radwege wechseln hier auch schon mal unvermittelt von einer zweispurigen Radautobahn in einen feingeschotterten Weg und wieder zurück. Schon mal von einer zweispurigen Radautobahn ganz unvermittelt in einen fein geschotterten Weg und wieder zurück.

Um zu einer spektakulären, gedrehten Hängebrücke über den Kanal zu gelangen, mussten wir eine zweispurige Straße überqueren. Doch der Ampelkontakt zeigte sich aufgrund der vielen Carbon-Rahmen störrisch, und wir mussten ganze drei Ampelphasen warten. Aber was tut man nicht alles für ein perfektes Fotomotiv und einen einzigartigen Blick.

Am Ende waren alle zufrieden und glücklich zurück an der Unterkunft, sodass die verbleibenden eineinhalb Stunden bis zum Abendessen gemütlich im Biergarten genossen wurden. Ein gemeinsames Bierchen – mit oder ohne Alkohol – gehört schließlich fast schon zum Ritual bei Besi & Friends.

Der Samstag wurde dann zur ersten harten Bewährungsprobe. Für Rennradgruppe 1 und 2 stand eine echte Bergetappe mit 2.000 bzw. 1.500 Höhenmetern ins Sauerland an. Gruppe 3 – bestehend aus Touren-, E-Bike-, Trail-, MTB- und Rennradfahrern – ging währenddessen auf eine spannende Entdeckungstour durch das nördliche Ruhrgebiet, um die Spuren des Bergbaus hautnah zu erleben.
Die größte Herausforderung war jedoch nicht die Strecke, sondern das Wetter. Regen war angekündigt, und sogar Gewitter konnten nicht ausgeschlossen werden. „Fahren oder nicht fahren?“ war für einige die Frage des Tages. Doch die Mehrheit ließ sich nicht abschrecken und nahm entschlossen die Tour in Angriff.
So machte sich Gruppe 1 auf, den anspruchsvollen Langenberger Sender zu bezwingen und die welligen Straßen des Höhenwegs zu meistern, während Gruppe 2 es im landschaftlich reizvollen Wodantal etwas ruhiger angehen ließ – aber auch hier gab es reichlich Höhenmeter zu sammeln.

Das Zwischenziel beider Gruppen lag in Breckerfeld – in einer zauberhaften Landbäckerei mitten im Nirgendwo. Wer kennt schon Breckerfeld? Die Ennepe Talsperre die wir vorher passierten ist da schon etwas bekannter. Doch wer einmal hier war, vergisst den Ort nicht mehr. Zwei liebenswürdige ältere Damen hinter der Theke sorgten mit ihrer Ruhe und Gastfreundschaft für entspannte Atmosphäre. Der hausgemachte Schinken auf frischem Landbrot wurde direkt zur Begrüßung gereicht und die riesige Kuchenauswahl stellte so manchen vor eine echte Herausforderung. Wer sich für den Streuselkuchen entschied, fragte sich spätestens beim Servieren, ob er versehentlich ein ganzes Blech bestellt hatte – die Portionen waren selbst für hungrige Radler kaum zu schaffen.

Gut gestärkt und optimistisch, da es inzwischen trocken war, ging es auf den Rückweg. Zunächst führte die Strecke angenehm bergab durch malerische Waldstücke entlang der Ennepe. Doch noch bevor wir Sprockhövel erreichten, überraschte uns ein derart heftiger Regenschauer, dass wir unter einer Autobahnbrücke Schutz suchten. Das Regenradar versprach eine Dauer von lediglich 15 Minuten – und tatsächlich kam nach 13 Minuten die Sonne zurück, als wäre nichts gewesen.

Die weitere Fahrt führte uns entspannt durchs schöne Wodantal, vorbei am Cycle Café in Nierenhof, wo wir bereits auf dem Hinweg einen Toilettenstopp eingelegt hatten. Doch kaum hatten wir den vorletzten knackigen Anstieg hinter uns gebracht und dachten, wir hätten das Schlimmste geschafft („Noch 20 km und nur eineinhalb Hohle Buckel!“), öffnete sich der Himmel erneut – diesmal allerdings ohne Unterstand in der Nähe.
Trotz des unerwarteten Duschens blieb die Stimmung gut, schließlich waren wir fast zurück an der Lohnhalle. Wir beneideten insgeheim Gruppe 1, die sicher längst trocken und warm im Ziel angekommen sein musste. Doch was wir nicht ahnten: Auch Gruppe 1 erwischte es kurz vor den rettenden Mauern der Alten Lohnhalle noch einmal richtig heftig.
Meinen besonderen Dank an diesem Tag galt Norbert B. der wie selbstverständlich einen schwächeren Mitfahrer durch schieben an den Bergen unterstützte. Schieben sollte zwar bei Ausfahrten die Ausnahme sein, dennoch zeigte es in besonderer Weise die Solidarität bei Besi&Friends!
Für die Gruppe 3, bestehend aus Tourenrad-, E-Bike-, Trail- und Rennradfahrern, hatte sich unser RSG-Gelderland-Guide Peter ein ganz besonderes Schmankerl ausgedacht: Seine Frau hatte extra frische Frikadellen zubereitet, die stilvoll mit Senf auf der Halde am Tetraeder genossen wurden – ein kulinarisches Highlight mit grandioser Aussicht!

Trotz des Wetters: Es war ein Tag, der uns allen in bester Erinnerung bleiben wird – herausfordernd, nass und dennoch voller gemeinsamer Erlebnisse.

Björn Maas – von der Diagnose MS zum Weltmeistertitel

Björn Maas – zweifacher Weltmeister, sechsmal auf dem Weltcup-Podium, vierfacher Deutscher Meister – gab uns beim Pfingst-Event einen sehr persönlichen Einblick in seine Geschichte „Fahrrad statt Rollstuhl“. Gebannt lauschten alle Teilnehmenden, als er erzählte, wie sein Leben nach einem Unfall und mehreren Operationen eine dramatische Wendung nahm: Vom Rollstuhl und der Diagnose Multiple Sklerose bis hin zu einem beeindruckenden Weg zurück in den Leistungssport.
Mit bewundernswertem Ehrgeiz kämpfte sich Björn in den Para-Triathlon zurück, sammelte nationale und internationale Erfolge und schaffte es bis in den Kader der Deutschen Nationalmannschaft. Internationale Rennen führten ihn nach Dubai, Australien und Ungarn, wo er wertvolle Punkte für die angestrebte Qualifikation zu den Paralympics sammelte – bei Kosten von über 40.000 €, finanziert aus eigener Tasche, während ihm monatlich nur 450 € aus der Sporthilfe zustanden.
Als nur noch ein Wettkampf zur Qualifikation fehlte, schlug die Krankheit erneut zu – ein MS-Schub, der ihn fast komplett ausbremste. Doch auch davon ließ sich Björn nicht unterkriegen: Er kämpfte sich zurück – und obwohl es am Ende „nur“ für einen Platz auf der Reserveliste reichte, war sein Kampfgeist ungebrochen.
Eigentlich hatte er nach dem Para Cup im Juli 2024 in Ungarn beschlossen, den Leistungssport hinter sich zu lassen und sich „nur noch“ fit zu halten. Doch als die Weltmeisterschaft in Alsdorf näher rückte, war der Ehrgeiz wieder da – unterstützt von seinem Trainer nahm Björn die Herausforderung an. Mit angepasstem Training und seiner unbändigen Willenskraft holte er sich Ende April 2025 in Alsdorf erneut den Weltmeistertitel.
Eine unglaubliche Leistung – vor der wir den Hut ziehen!
Noch schöner: Björn war nicht nur Vortragender, sondern auch bei unseren Touren am Freitag und Samstag aktiv dabei. Besonders beeindruckend war zu erfahren, dass er die 2.000 Höhenmeter der Gruppe 1 quasi mit nur einem Bein bewältigte – denn auf seinem anderen kann er nur etwa 10 % der Leistung abrufen.
Danke, Björn, für deine Offenheit, dein Vorbild – und dass du Teil unseres Wochenendes warst!

Pfingstsamstag das Regentrauma!

Der Samstag war mit seinem vielen Regen bereits eine echte Herausforderung, doch der Pfingstsonntag setzte sogar noch eins drauf! Am Ende des Tages konnte ich absolut verstehen, wer sich entschied, nicht zu fahren, und zolle gleichzeitig allen, die durchhielten, größten Respekt.
Auf dem Programm stand eine außergewöhnliche Industriekulturroute, die einige der besten Highlights des Ruhrgebiets miteinander verband. Viele Streckenabschnitte führten über ehemalige Bahntrassen, die zu Radwegen umfunktioniert wurden. Nach einigen Kilometern auf der bekannten Radtrasse vom Freitag ging es hinunter zum Rhein-Herne-Kanal, an dessen Ufer wir entlangfuhren.

Eine kleine Rampe führte über einen schmalen Pfad hinauf zur Brücke – während diese Passage bei trockenem Wetter einfach zu meistern war, verwandelte sie sich durch den Regen in eine Herausforderung, die fast alle zum Absteigen und Schieben zwang.

Weiter ging es zur Halde Hoheward, einer beeindruckenden Bergehalde zwischen Herten und Recklinghausen. Die Auffahrt verlangte uns durch ihre engen Serpentinen und Spitzkehren einiges an Technik ab. Zwischen den beiden Serpentinen-Abschnitten beeindruckten uns eine imposante Hängebrücke und die sogenannte Himmelsstiege. Oben auf der Halde in 152 Metern Höhe angekommen, begrüßte uns unser tapferes Foto-Team, das inzwischen ordentlich durchgefroren und durchnässt war, da ein eisiger Wind pfiff. Manche rätselten neugierig, um was für ein eindrucksvolles Gebilde es sich auf der Halde wohl handeln könnte:

Die Antwort: Ein modernes Horizontobservatorium. Es besteht aus einer kreisrunden Fläche mit 88 Metern Durchmesser, einem abgesenkten Forum in der Mitte und zwei riesigen Bögen, die symbolisch Meridian und Himmelsäquator darstellen – eine moderne Interpretation prähistorischer Steinkreise wie Stonehenge.

Nach einer kurzen Runde über das Plateau folgte eine steile Abfahrt zur Zeche Ewald, einem stillgelegten Steinkohlen-Bergwerk. Als vielseitiger Zukunftsstandort symbolisiert die Zeche Ewald heute den gelungenen Strukturwandel der Region.

Neben Unternehmen aus der Logistik- und Wasserstoffbranche beherbergt das Gelände das Travestie-Theater RevuePalast Ruhr und in Zukunft die Motorworld Zeche Ewald als „Raum für mobile Leidenschaft“. Passend dazu konnten wir dort eine eindrucksvolle Mercedes W124 Motor-Show bewundern.
Der Betrieb auf der Zeche Ewald wurde am 28. April 2000 eingestellt. Heute prägen Zechenbauten aus drei verschiedenen Bergbau-Epochen – darunter der Malakowturm (1888), Schacht 2 mit Schachthalle (1928) und das markante Doppelstrebengerüst des Architekten Fritz Schupp über dem Zentralschacht 7 von 1955 – das Gelände nachhaltig.

Um als Radfahrer gegenüber anderen Randsportarten Toleranz zu zeigen ging unsere Tour an der Schalke Arena vorbei. 

Der nächste Höhepunkt unserer Tour war die Zeche Nordstern in Gelsenkirchen, die bereits am Freitag auf unserem Weg lag. Zur Bundesgartenschau 1997 wurde die ehemals 100 Hektar große Industriebrache innerhalb weniger Jahre in eine beeindruckende Parklandschaft verwandelt. Heute lädt das weitläufige Gelände direkt am Rhein-Herne-Kanal zum Flanieren, Radfahren und Laufen ein. Zahlreiche Freizeitmöglichkeiten wie Kinder- und Abenteuerspielplätze, ein erlebnispädagogischer Bauernhof, Gastronomieangebote, Schiffsanleger sowie ein Amphitheater mit Freilichtbühne machen den Park zu einem beliebten Ausflugsziel.
Das Wahrzeichen der Zeche Nordstern ist der 18-stöckige Nordsternturm mit seiner Monumentalstatue „Herkules von Gelsenkirchen“. Von der Besucherterrasse in rund 83 Metern Höhe genießt man einen beeindruckenden Rundblick über den Park, die Stadt und die gesamte Metropole Ruhr.

Auf für musikalische Unterhaltung war gesorgt. So fuhren wir an der Zeche Nordstern ganz unvermittelt durch ein RockHard Musikfestival.

Die verzerrten Gitarrenklänge begleiteten uns noch ein Stück den Rhein-Ruhr-Kanal entlang.
Die nächste Station ist ein Highlight auf unserer Industriekultur-Runde: Das UNESCO-Welterbe Zollverein. Die Zeche Zollverein in Essen galt einst als die modernste Bergwerksanlage ihrer Zeit und ist heute das markante Wahrzeichen des Ruhrgebiets. Als einziges UNESCO-Welterbe der Metropole Ruhr zieht die Zeche jährlich Millionen von Besuchern aus aller Welt in ihren Bann. Ihre eindrucksvolle Geschichte steht sinnbildlich für die industrielle Entwicklung der gesamten Region. Zollverein verkörpert eindrucksvoll sowohl das alte als auch das neue Ruhrgebiet und ist somit ein bedeutendes Symbol für den erfolgreichen Strukturwandel – von einer industriell geprägten Region hin zu einer modernen Metropole inmitten eines der größten Ballungsräume Europas.

Doch das UNESCO-Welterbe Zollverein ist weit mehr als nur ein Industriedenkmal. Heute bietet es vielfältige Möglichkeiten für kulturelle und Freizeitaktivitäten: Auf dem Gelände befinden sich das Choreographische Zentrum PACT Zollverein, die renommierte Folkwang Universität der Künste sowie das Ruhr Museum, eines der bedeutendsten Museen der Region.
Untrennbar verbunden mit Zollverein ist das Architekten-Duo Schupp und Kremmer, das die Zentralschachtanlage 12 mit ihrem markanten Doppelbock-Fördergerüst entwarf. Nachdem 1986 die Zeche ihren Betrieb einstellte und 1993 auch die Koksöfen der Kokerei erloschen, avancierte Zollverein in den 1990er-Jahren zum Vorzeigeprojekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park. Die Auszeichnung als UNESCO-Welterbe folgte schließlich 2001.
Das ehemalige Industriegelände, einst geprägt von Produktion und Effizienz, hat sich inzwischen zu einem lebendigen Zentrum für Kultur, Kunst, Lehre und Design entwickelt. Heute beherbergt Zollverein zahlreiche Museen und bietet faszinierende Führungen, die oftmals von ehemaligen Bergleuten und Kokerei-Arbeitern begleitet werden. Zudem ist das Gelände Austragungsort renommierter Veranstaltungen, darunter Konzerte, Theateraufführungen und Festivals sowie Ausstellungen im berühmten Red Dot Design Museum.
Einzigartige Highlights wie das Werksschwimmbad oder die wohl außergewöhnlichste Eisbahn der Welt am Fuße der imposanten Koksöfen machen Zollverein zu einem besonderen Erlebnis. Für Aktive lädt der weitläufige Zollverein-Park mit seinen Rad- und Joggingstrecken ein, die beeindruckende Industrienatur hautnah zu entdecken.

Weiter ging es auf den Radwegen entlang ehemaliger Bahntrassen Richtung Süden.

Unsere Route führte uns direkt über das Gelände der Universität Essen, wo wir zwischen zwei Gebäudeteilen über einen schmalen Weg erneut auf eine der eindrucksvollen Radautobahnen abbogen. Diese exklusiven Radwege führten uns über Brücken, geschützt vor dem Autoverkehr, mitten durch die Metropole. Nach den vielen beeindruckenden Stationen der Industriekultur hieß es jetzt wieder ordentlich Strecke machen – schließlich wartete unser nächster Verpflegungsstopp im beliebten Cycle Café bereits auf uns.

Nach einer langen, gut ausgebauten Abfahrt erreichten wir Werden, einen der schönsten Stadtteile Essens im idyllischen Ruhrtal. Dieser charmante Ort besitzt viele historische Baudenkmäler, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben. Die Geschichte Werdens geht zurück auf den Missionar Liudger (Ludgerus), der um das Jahr 799 auf einem geschützten Hochufer („Werth“) ein Benediktinerkloster gründete. Heute befindet sich dort die Folkwang Universität der Künste, die im prachtvollen barocken Gebäude der ehemaligen Abtei residiert. Historisch betrachtet markierte Werden, gemeinsam mit Kettwig und Mülheim an der Ruhr, die nördliche Grenze des Bergischen Landes.

Ab hier wurde unsere Strecke wieder deutlich bergiger. Zunächst führte uns die Route mitten durch Werden und anschließend hinauf auf die B227. Kaum hatten wir die Ortschaft verlassen, folgte eine lange, von dichtem Wald gesäumte Serpentinenabfahrt, die uns frische Luft und angenehmen Schatten bot. Doch bereits unten im Tal erwartete uns der nächste kräftige, aber gut fahrbare Anstieg. Dieses Wechselspiel von schnellen Abfahrten und fordernden Aufstiegen begleitete uns über mehrere Kilometer. Schließlich erreichten wir eine ehemalige Bahntrasse, die uns sanft über die letzten Kilometer nach Velbert-Nierenhof führte, unserem Ziel und Standort des Cycle Café Xperience Centers.

Das Cycle Café Xperience Center Velbert-Nierendorf ist weit mehr als nur ein Café: Es ist Treffpunkt, Werkstatt, Boutique und Radsport-Treff in einem. Direkt gelegen am Panorama-Radweg Niederbergbahn, ist es der ideale Ort für alle, die Radfahren leben und lieben. Ob bei einem Espresso oder Cappuccino, bei einem Stück Kuchen oder im Gespräch über Technik, Touren oder das neueste Equipment – hier steht das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt.

Neben der Café-Atmosphäre erwartet einen ein hervorragend sortierter Bike-Shop mit Marken wie Cervélo, 3T oder Bianchi – inklusive Werkstatt, Bikefitting und persönlicher Beratung. Betreiber Holger, selbst erfahrener Ultra-Radfahrer, hat das legendäre Race Across America als Solofahrer unter den Top 10 gefinisht – Authentizität pur.
Zwischen edlen Rennrädern, stylischer Bekleidung und Rennsport-Spirit findet man alles, was das Radfahrerherz begehrt. Dazu gibt es freies WLAN, Lademöglichkeiten für Tacho oder Handy – und natürlich erstklassigen Kaffee.


Gestärkt und inspiriert machten wir uns auf die letzten 20 Kilometer zurück zur Alten Lohnhalle. Noch den Duft von frisch gebrühtem Espresso in der Nase und die letzten Höhenmeter in den Beinen, motivierten wir uns mit dem Satz: „Nur noch eineinhalb hohle Buckel!“
Es ist kaum vorstellbar, wie wunderbar und wohltuend eine warme Dusche nach einer solchen Regentour sein kann – man fühlt sich anschließend fast wie neu geboren.
Bis zum Abendessen um 19 Uhr und dem anschließenden Highlight des Tages – einer gemeinsamen Videokonferenz mit Häuptling Besi – waren noch zwei Stunden Zeit. Ich nutzte die Gelegenheit, setzte mich in den Biergarten bzw. in das dazugehörige Restaurant, das im freistehenden Gebäude der ehemaligen Elektrowerkstatt der Zeche untergebracht ist, und begann, die ersten Zeilen für den von Besi gewünschten Abschlussbericht niederzuschreiben.

Kaum waren die ersten Zeilen geschrieben, trudelten bereits die ersten Teilnehmer der Gruppe ein. Zunächst kamen Klaus und Christian hinzu, kurz darauf gesellte sich Traudel dazu, und schließlich komplettierte Michael die lockere Runde. Bald war es mit der Schreiberei vorbei, und der Fokus verlagerte sich auf den gemeinsamen Austausch. Ich verabschiedete mich, um noch schnell einen letzten Technik-Check durchzuführen: Funktionierten Laptop, Beamer und WhatsApp-Verbindung zuverlässig? Schließlich sollte alles optimal vorbereitet sein, bevor die offizielle Videokonferenz beginnen konnte.


Pünktlich um 19 Uhr war es dann soweit: Über den Beamer erschien Besi an der großen Wand der Alten Lohnhalle – zu Beginn auch zumindest etwas hörbar. Der kleine Lautsprecher des Beamers gab sein Bestes, um Besis Stimme in die große, offene Halle zu tragen, in der 38 erwartungsvolle Zuhörer Platz genommen hatten. Schon nach wenigen Minuten legte sich eine gespannte Stille über die Halle – so ruhig war es, dass man sprichwörtlich eine Stecknadel hätte fallen hören können.
Dann wurde es emotional.

Besi bedankte sich sichtlich bewegt bei allen Teilnehmern und betonte, wie sehr er in Gedanken und mit dem Herzen bei uns sei. Er berichtete eindrucksvoll, wie intensiv er sämtliche Beiträge, Fotos und Nachrichten in der WhatsApp-Gruppe verfolgt hatte, sprach aber auch offen über seinen Gesundheitszustand und ganz besonders über den von Nicki. Die Trauer darüber, dass beide nicht dabei sein konnten, war deutlich spürbar, vor allem, da sich Nicki ganz besonders auf das Ruhrgebiet und die Tour gefreut hatte.


Trotz ernster Momente fanden sich auch viele Worte der Freude und Hoffnung: Die Tour, die Trailbike-Fahrer:innen und MS-Betroffene vereinte, habe ihn stark an die Wurzeln von Besi & Friends erinnert – Inklusion. Genau darum sei es einst gegangen, dass Menschen mit und ohne gesundheitliche Einschränkungen zusammen Sport treiben und Erlebnisse teilen. Genau das wurde bei dieser Tour eindrucksvoll gelebt.
Besonders bemerkenswert war auch die selbstverständliche Offenheit der seit Jahren eingeschworenen Gruppe gegenüber neuen Teilnehmer:innen. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Ich war tatsächlich im Vorfeld etwas unsicher, ob das eine gute Idee sein würde, hier mitmachen zu wollen. Aber ja, es war eine gute Idee. Nein, es war sogar eine hervorragende Idee. Wir haben uns wirklich gut aufgenommen und aufgehoben gefühlt.“

Und ein weiterer Punkt wurde vielfach hervorgehoben: Die absolute Selbstverständlichkeit, mit der schwächere Teilnehmer unterstützt wurden. „Wie oft habt ihr Hasi (Trailbike) durch die enge Eingangstür bugsiert, wie oft habt ihr irgendwo gewartet oder mich sogar durch Anschieben von hinten unterstützt. Dafür kann ich mich nicht genug bedanken – und das ist alles andere als selbstverständlich.“
An dieser Stelle stellten wir Besi auch unsere Gastgeberinnen vor: Frau Kruljac und ihre Schwester, sowie Dawid, unseren engagierten Kellner, der mit großem Herzblut stets für unser Wohl sorgte.

Frau Kruljac erzählte daraufhin von einem besonderen Kapitel: Nach mehr als 20 Jahren gemeinsamer Erlebnisse, unvergesslicher Momente und harter Arbeit sollte die Alte Lohnhalle, das einzige authentische Industriekulturhotel des Ruhrgebiets, am 31. Mai 2025 ihre Türen endgültig schließen. Diese Entscheidung sei ihr nach dem Tod ihres Mannes und Mitgründers Heinrich Huke nicht leichtgefallen, doch irgendwann sei es Zeit, neue Wege zu gehen.

Mit bewegenden Worten wandte sie sich direkt an uns: „Ohne Euch, unsere Gäste, wäre dieser Teil der Geschichte niemals entstanden. Sie haben unser Haus mit Leben erfüllt. Es war uns eine große Freude, Euch willkommen zu heißen und Teil Ihrer Reise zu sein. Wir sind dankbar für Ihr Vertrauen und Eure Begeisterung – und wie es die Kumpel seit jeher sagen: Glück Auf! ⚒“

Sie berichtete auch noch von meinem Anruf, in dem ich ihr begeistert von unserer Veranstaltung „Zwischen Rhein und Industriekultur – mit Besi & Friends On Tour“ erzählt hatte. Diese Begeisterung überzeugte sie spontan, noch ein letztes Mal die Türen für uns zu öffnen. Frau Kruljac zeigte sich sehr glücklich, diesen besonderen, emotionalen Abschluss erleben zu dürfen – mit einer Gemeinschaft, die für sie wie eine Familie wirkt: ungezwungen, herzlich und voller Leidenschaft.

Nach einem erneut sehr schmackhaften Abendessen – einer herzhaften Hochzeitssuppe mit Markklößchen, gefolgt von Hähnchengeschnetzeltem oder, für die Vegetarier unter uns, mediterranem Gemüse mit frischem Salat – wurde das Menü durch einen köstlichen Pudding mit Himbeersoße gekrönt.
Nach dem Essen war es uns ein Herzensanliegen, dem großartigen Team der Alten Lohnhalle noch einmal unseren Dank auszusprechen. So lernten wir auch die tolle Köchin Teresa kennen, die unsere Geschmacksknospen so wunderbar verwöhnt hat. Der Applaus war kaum verklungen, da revanchierte sich Frau Kruljac auf ihre ganz persönliche Weise: mit einem besonderen Geschenk – einem Stück Kohle, einst abgebaut auf der Zeche Bonifacius im Flöz Anna. Ein symbolisches Andenken an die Geschichte dieses Ortes – und an ein unvergessliches Wochenende. 

Wie sagt man so schön: Auf Regen folgt Sonnenschein. Und genauso war es am Pfingstmontag – unserem letzten Tag. Ursprünglich war die Abschlussrunde als gemeinsame Fahrt für Rennradgruppe 1 und 2 geplant. Doch schnell zeigte sich: Fast alle wollten noch einmal aufs Rad – und einige wünschten sich sogar eine etwas längere Tour. Kurzerhand wurde umdisponiert: Olli und Stefan übernahmen die erweiterte 66-km-Runde, während mein bewährter Co-Guide Uwe und ich die kürzere Variante mit Rennradgruppe 2 begleiteten.

Anja und Thomas, etwas abgeschreckt vom geplanten Schnitt, machten sich auf dem Trailbike und dem MTB separat auf denselben Weg.
Nach dem Start in Essen-Kray führte uns die Strecke am Ruhrradweg entlang in Richtung Kupferdreh. Dort fuhren wir auf der breiten Uferpromenade am Baldeneysee entlang – dieser lag noch ruhig da, mit zarten Nebelschwaden über dem Wasser und einer fast meditativen Morgenstimmung. In Werden erreichten wir das Ende des Sees und folgten der Ruhr noch einige Kilometer weiter.
In Kettwig trennten sich die Wege der beiden Gruppen: Gruppe 1 nahm einen zusätzlichen Schlenker über den Anstieg nach Isenbügel, weiter hinab nach Heiligenhaus, vorbei an der Abtsküche und Haus Hetterscheidt – und dann wieder bergauf zum Panorama-Radweg Niederbergbahn. Zurück in Kettwig folgten sie wie Gruppe 2 dem Weg vorbei an Schloss Landsberg und Schloss Hugenpoet, bevor es weiter entlang der Ruhr in Richtung Mülheim ging.
Ein besonderes Highlight: Wir passierten die beeindruckende Mintarder Ruhrtalbrücke – ein Mitfahrer bemerkte: „Diesen Weg habe ich schon so oft von der A52 aus gesehen und wollte ihn immer mal mit dem Rad fahren.“ Wieder ein Punkt weniger auf der Bucket List.
In Mülheim mussten wir einen kleinen Umweg um den Ringlokschuppen machen – ein Mittelalterfestival hatte dort seine Zelte aufgeschlagen.

Gruppe 1 nutzte die Gelegenheit für eine Kaffeepause in der benachbarten Gastronomie.
Anschließend ging es auf den Radschnellweg Ruhr (RS1), der künftig Städte wie Moers, Duisburg, Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund und Hamm miteinander verbinden soll – insgesamt über 100 Kilometer durch das dichtbesiedelte Ruhrgebiet. Wir befuhren die bereits ausgebaute Modellstrecke zwischen Mülheim Hauptbahnhof und der Universität Duisburg-Essen – eine komfortable, breite „Radautobahn„, der wir rund zehn Kilometer folgten.
Zurück an der Alten Lohnhalle durften wir dankenswerterweise ein letztes Mal unsere Zimmer zum Duschen nutzen, bevor wir endgültig auscheckten – erfrischt, beseelt und mit vielen Eindrücken im Gepäck.
Nachdem alle ausgecheckt hatten, legte sich eine ungewohnte Stille über die Alte Lohnhalle – jenem Ort, der über 20 Jahre lang als einzigartiges Industriehotel diente.

Doch bevor Frau Kruljac und ihre Schwester die Türen endgültig schlossen, durften Werner und ich noch einmal bei einer kleinen Führung eintauchen in die Geschichte, die diese Mauern geschrieben haben.
Ein Pfingstwochenende geht zu Ende – und mit ihm auch eine Ära. Es ist wirklich schade, denn dieser Ort war etwas Besonderes: geprägt von Gemeinschaft, Zusammenhalt, einem herzlichen Miteinander. Fast so wie damals, als sich hier die Kumpel zur Schicht umkleideten oder ihren Lohn entgegennahmen.
Ich sage von Herzen: Danke – und Glück Auf! ⚒
Kommentar einer Teilnehmerin:
„Es waren ein paar unvergesslich schöne Tage – mit vielen Facetten und Wetterkapriolen, die wir als Gemeinschaft mit Humor getragen haben. Die Gastfreundschaft von Frau Kruljac, ihrer Schwester und dem gesamten Team hat unseren Aufenthalt in der Alten Lohnhalle zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Es ist immer wieder beeindruckend, was die Besi & Friends Community auf die Beine stellt, um Menschen zu unterstützen, denen es gerade nicht so gut geht. Danke an alle – an Norbert und Manuela für die tolle Orga, an die Guides vom RSG und an diese wunderbare Truppe.“

In der ehemaligen Lohnhalle, die sich durch ihre neogotische Fassadengestaltung und kathedralenartige Innenarchitektur auszeichnet, befindet sich seit September 2004 das Kultur- und Tagungshotel „Alte Lohnhalle“. Auf dem Innenhof des Schachtkomplexes gegenüber der Lohnhalle befindet sich ein Biergarten, dessen Restaurant im freistehenden Haus der ehemaligen Elektrowerkstatt der Zeche untergebracht ist.

Ich möchte mich im Namen von Besi & Friends und allen Teilnehmer*innen der Veranstaltung
„Zwischen Rhein und Industriekultur – Pfingsten 2025 mit Besi & Friends on Tour“ ganz herzlich beim RSG Gelderland bedanken.

Ein besonderer Dank gilt unsere Guides Peter, Micha und Bastian:
Danke, Peter, fürs Strecken erkunden und die besondere Verpflegung in Gruppe 3 – inklusive selbstgemachter Frikadellen von deiner Frau nach der Bergwertung zum Tetraeder!
Es war wirklich eine Herausforderung, eine so inhomogene Gruppe aus Tourenrad-, E-Bike-, Rennrad- und Trailbike-Fahrern sicher zu führen – und bei Regen bei Laune zu halten.
Diese Gabe hat auch Micha ausgezeichnet: Immer gut gelaunt, mit einem lockeren Spruch auf den Lippen – trotz Dauerregen und drei Platten auf der Sonntagsrunde!
Danke, Bastian, dass du trotz Regen Gruppe 1 souverän auf dem rechten Track zusammengehalten hast – auch wenn deine Beine trotz Gruppe 1 vermutlich leicht unterfordert waren.
Ein großes Dankeschön auch an alle RSG-Mitfahrer, die sich vom Wetter nicht haben abschrecken lassen:

An Markus, der gleich auch seine Eltern für Gruppe 3 aktiviert hat,
an Tobias, der bei der „Langenberger Sender – Sauerland-Talsperrenrunde“ ordentlich Höhenmeter gesammelt hat, an Jürgen und Peter, die tapfer die Industriekultur-Runde mitgefahren sind – und natürlich auch an Walter und seine Frau.
Schade, dass das Wetter nicht ganz mitgespielt hat – sonst hätten wir die außergewöhnlichen Strecken sicher noch mehr genießen können und wären bestimmt mit noch mehr Teilnehmer*innen unterwegs gewesen.
Wir haben durchweg so viel positives Feedback bekommen:
Was für eine sympathische und engagierte Radsportgruppe der RSG Gelderland doch ist!

Wir konnten den RSG über die Grenzen des Gelderlands hinaus bis nach Frankfurt, Würzburg und Bayern bekannt machen und haben nebenbei so einige km fürs Stadtradeln gesammelt!

Vielen Dank – und Glück auf! 🚴‍♂🌧🤝

Euer Norbert – RSG Orga Leiter